Eine Mala ist keine Kette, die zufällig 108 Perlen hat. Sie ist ein Werkzeug: eine Hilfe, die deine Aufmerksamkeit hält, während du meditierst, sodass du nicht zählen und nicht darüber nachdenken musst, wie weit du bist.
Es gibt nicht die eine richtige Art, sie zu verwenden. Die klassische Art ist das Zählen von Mantras, und die steht unten Schritt für Schritt beschrieben. Aber es gibt auch stillere Wege, und für viele Menschen beginnt es schlicht damit, die Mala zu tragen und sie ab und zu zu berühren.
Mantras zählen: Japa
Die gebräuchlichste Art, eine Mala zu verwenden, heißt Japa — Sanskrit für Wiederholung. Du wählst ein Mantra: Du findest es selbst, du bekommst es von deiner Meditationslehrerin oder deinem Guru, oder du nimmst eines aus einer Tradition. Du sprichst das Mantra still, laut oder singend und wiederholst es bei jeder Perle, bis die Runde vollendet ist.
Wie du die Mala hältst
Halte die Mala in der rechten Hand, zwischen Daumen und Mittelfinger. Den Zeigefinger verwendest du nicht: Er steht in der Tradition für das Ego, und genau das willst du beiseitelegen.
Beginne bei der Perle neben der Guru-Perle — der größeren Perle, die für sich steht. Sprich dein Mantra und rücke dann mit dem Daumen zur nächsten Perle weiter. So gehst du die ganze Runde entlang, 108 Mal, bis du wieder bei der Guru-Perle ankommst.
Die Guru-Perle wird nie mitgezählt und nie überschritten. Sie markiert, wo die Runde beginnt und wo sie zur Ruhe kommt. Möchtest du eine weitere Runde, drehst du die Mala um und gehst in die andere Richtung zurück.
Warum du die Guru-Perle nicht überschreitest
Dieses Umdrehen fühlt sich anfangs umständlich an, und es ist verlockend, einfach weiterzurücken. Und doch steckt etwas darin. Der Moment, in dem du die Guru-Perle erreichst, ist eine natürliche Pause: Eine Runde ist vollendet, du bemerkst, wie es dir dabei geht, und du entscheidest bewusst, ob du weitermachst. Es ist ein Moment der Besinnung.
Ohne diesen Moment wird Japa schnell zum Fließband. Mit ihm wird es eine Folge bewusster Runden.
Ein Mantra wählen
Ein Mantra ist ein Wort, ein Klang oder ein Satz, den du wiederholst. Es muss nicht kompliziert sein und nicht auf Sanskrit.
Ein Mantra, das zu jeder Rudraksha passt, gleich welcher Mukhi oder Art, ist Om Namah Shivaya — ein Gruß an Shiva und damit an deine eigene wahre Natur. Weitere verbreitete sind So Hum (ich bin das) und Om Mani Padme Hum aus der buddhistischen Tradition. Möchtest du ein einfaches Mantra, das dennoch viel in Bewegung setzt, wähle Om.
Es darf aber genauso ein Wort in deiner eigenen Sprache sein. Ruhe. Dankbarkeit. Vertrauen. Entscheidend ist, dass es dir etwas bedeutet und dass du es wiederholen kannst, ohne darüber nachzudenken.
Wie viele Runden, und wie lange
Eine Runde sind 108 Wiederholungen. Je nach Tempo dauert das fünf bis zehn Minuten. Für die meisten Menschen ist das genau genug für den Anfang.
Die Tradition kennt auch drei Runden, oder elf, oder hundertacht — aber das gehört zu einer intensiven Praxis mit Begleitung. Beginne mit einer Runde am Tag. Eine kurze Praxis, die du durchhältst, bringt mehr als eine lange, die du zweimal machst und dann liegen lässt.
Wenn du den Faden verlierst oder abschweifst
Das passiert. Bei allen, und nicht nur einmal.
Merkst du, dass deine Aufmerksamkeit weggewandert ist, musst du nicht von vorn anfangen und nicht schätzen, wo du warst. Deine Finger wissen, wo sie sind. Nimm das Mantra bei der Perle unter deinem Daumen wieder auf und mach weiter.
Dieses Bemerken und Zurückkehren ist nicht die Unterbrechung deiner Meditation. Es ist die Meditation.
Ohne Mantra: auf dem Atem zählen
Du kannst deine Mala auch ohne Mantra verwenden. Rücke dann bei jedem Ausatmen eine Perle weiter. Das macht die Übung ruhiger und langsamer, und du bemerkst von selbst, wie dein Atem tiefer wird, während die Runde fortschreitet.
Diese Form eignet sich gut, wenn Worte dich eher ablenken, oder wenn du am Abend zur Ruhe kommen willst.
Die stilleren Wege
Nicht jede Mala wird gezählt. Du kannst sie einfach in der rechten Hand halten, während du dich hinsetzt, und meditieren wie gewohnt. Noch ruhiger ist es, die Mala neben dich zu legen und sie dort liegen zu lassen, während du sitzt.
Manche Perlen sind so besonders, dass sie überhaupt nicht getragen oder gehalten werden, sondern auf einem Altar oder an einem geweihten Ort aufbewahrt bleiben.
Und es gibt die alltägliche Form, vielleicht die häufigste von allen: Du trägst deine Mala und ertappst dich dabei, wie du sie berührst, ohne darüber nachzudenken. Diese Berührung wird dann zu einer Erinnerung — komm zurück zu deinem Atem, komm zurück in die Achtsamkeit.
Wie ich selbst meditiere
Während der Meditation halte ich meine Mala in der Handfläche meiner rechten Hand. Ich meditiere in Stille, beginne mit bewusstem Atmen und sinke von dort allmählich in tiefe Meditation. Danach danke ich für den Moment und lege meine Mala zurück auf meinen Altar.
Meist verwende ich dieselbe Mala. Manchmal aber möchte ich auf eine bestimmte Intention meditieren; dann nehme ich eine Mala mit Edelsteinen oder Halbedelsteinen und gehe die Meditation mit dieser Intention im Sinn durch.
Wie viele der Regeln musst du befolgen?
Es gibt viele Regeln für den Gebrauch einer Mala. Die Schriften sind Jahrtausende alt und unterscheiden sich zudem je nach Tradition. Das macht es komplex, und ich habe mich jahrelang gefragt, was nun richtig ist und was nicht.
Von Ida Pedanda Gede Made Gunung, dem 2016 verstorbenen Hohepriester von Bali, habe ich gelernt, dass der Gebrauch auch praktisch sein darf. Ohne ihn wörtlich zu zitieren, lief seine Antwort darauf hinaus: Entscheidend ist, dass du deine Mala mit Respekt behandelst, als etwas Heiliges. Und genau darin liegt die Heiligkeit — nicht in der Frage, ob jede Regel genau befolgt wurde.
Dennoch nenne ich einige, um ein Gefühl dafür zu geben, wie streng die Tradition es nehmen kann:
- berühre die Mala nur mit der rechten Hand
- lass beim Rezitieren des Mantras deine Fingernägel die Rudraksha nicht berühren
- lass niemand anderen deine Mala anfassen
- trage deine Japa-Mala nicht, sondern lege sie nach dem Gebrauch an einen sicheren Ort
- eine Mala, die du trägst, verwendest du nicht für die Japa-Meditation
- nimm eine Mala nie mit auf die Toilette
- trage keine Mala beim Trinken von Alkohol, bei körperlicher Intimität, bei einer Trauerfeier oder während der Menstruation
Und es gibt noch viele mehr. Ich nenne sie, um ein Bild zu zeichnen, nicht als Vorschrift. Ob und wie jemand mit seiner Mala umgeht, liegt bei der Besitzerin oder dem Besitzer.
Eine Mala zum Tragen und eine zum Zählen
An dieser Liste sieht man etwas, das verwirren kann: Die Tradition unterscheidet eine Japa-Mala, mit der du zählst und die du danach weglegst, von einer Mala, die du trägst. In der strengen Lesart sind das zwei verschiedene Ketten.
In der Praxis kommen die meisten Menschen mit einer aus. Wer diese Unterscheidung halten möchte, kann zwei nehmen — eine zum Tragen und eine für die Praxis. Und wer das zu weit findet, hat den Priester auf seiner Seite.
Ein fester Ort und ein fester Moment
Meditation wird leichter, wenn du nicht jedes Mal neu darüber entscheiden musst. Wähle einen Ort, an dem du sitzt, und einen Moment am Tag, und halte dich daran.
Der Morgen eignet sich für viele am besten, bevor der Tag seine Ansprüche stellt. Aber die beste Zeit ist die, zu der du es tatsächlich tust.
Deine Mala zwischen den Sitzungen
Eine Mala, die verwendet wird, sieht mit der Zeit anders aus. Die Rudraksha dunkeln durch die Öle deiner Haut nach, und genau so soll es sein.
Wie du sie wäschst, ölst, aufbewahrst und reinigst — und wie du eine neue Mala begrüßt, bevor du sie zum ersten Mal trägst — steht unter Pflege der Mala.
Häufige Fragen zum Gebrauch einer Mala
Muss ich genau 108 Mal zählen?
Nein. 108 ist die traditionelle Runde und der Grund, warum eine traditionelle Mala diese Anzahl Perlen hat. Es gibt aber auch Malas mit 54 oder 27 Perlen für kürzere Praxis.
Warum die rechte Hand?
Das kommt aus der vedischen Tradition, in der die rechte Hand für Handeln und Geben steht.
Darf ich meine Mala tragen, wenn ich nicht damit meditiere?
Ja. Viele Menschen tragen sie durchgehend, als Erinnerung und als Talisman, und legen sie nur zum Schlafen und Duschen ab.
Kann ich mit jeder Mala meditieren?
Ja. Die Materialien unterscheiden sich in Bedeutung und Energie, die Art zu zählen ist dieselbe. Mehr über die Perlen selbst liest du unter Rudraksha-Perlen und über den Aufbau einer Mala unter was eine Mala ist.
Was, wenn meine Mala beim Meditieren reißt?
Das ist keine schlechte Nachricht. In der Tradition steht das Reißen einer Mala für das Durchbrechen eines karmischen Zyklus.
Kommt jemand mit einer gerissenen Mala zu uns, frage ich immer zuerst, ob das nachklingt. Oft ist es so, und dann ist es Zeit, die Mala der Erde zurückzugeben: Danke ihr, und begrabe sie oder gib sie dem Meer.
Andernfalls reparieren wir sie. Die Reparatur selbst ist kostenlos, und wir machen sie mit ebenso viel Liebe, wie die Mala gefertigt wurde. Müssen Teile ersetzt werden, können wir dafür einen Beitrag erbitten, ebenso für das Porto.
Welche Form du auch wählst: Eine Mala tut ihre Arbeit erst, wenn du sie verwendest. Fang klein an, bleib dran, und lass den Rest kommen.
Sieh dir die Sacred-Kollektion an für Malas aus reiner Rudraksha, oder alle unsere Malas mit einer großen Auswahl an Edelsteinen.










